{"id":1324,"date":"2022-01-04T00:00:00","date_gmt":"2022-01-03T23:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.wackler-group.de\/holding\/wissen-hub\/gegen-den-klimawandel-gibt-es-keinen-impfstoff\/"},"modified":"2026-08-18T14:34:41","modified_gmt":"2026-08-18T14:34:41","slug":"gegen-den-klimawandel-gibt-es-keinen-impfstoff","status":"publish","type":"news","link":"https:\/\/www.wackler-group.de\/holding\/wissen-hub\/gegen-den-klimawandel-gibt-es-keinen-impfstoff\/","title":{"rendered":"\u201eGegen den Klimawandel gibt es keinen Impfstoff\u201c"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">\n                    \u201eGegen den Klimawandel gibt es keinen Impfstoff\u201c<br>\n                <\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Peter Blenke, Vorstand\/CEO der Wackler Holding SE im Gespr\u00e4ch mit Prof. Dr. Dr. Christian Berg, unter anderem Honorarprofessor f\u00fcr Nachhaltigkeit und Globaler Wandel an der TU Clausthal, Pr\u00e4sidiumsmitglied der Deutschen Gesellschaft Club of Rome und seit rund einem Jahr Beirat der ConClimate GmbH, einer Tochtergesellschaft der Wackler Holding SE.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"320\" height=\"214\" src=\"https:\/\/www.wackler-group.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/csm_Berg_Blenke_Interview_f0c75cd0fb.jpg\" alt=\"Peter Blenke (rechts) im Gespr\u00e4ch mit Herrn Prof. Berg\" class=\"wp-image-2131\" srcset=\"https:\/\/www.wackler-group.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/csm_Berg_Blenke_Interview_f0c75cd0fb.jpg 320w, https:\/\/www.wackler-group.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/csm_Berg_Blenke_Interview_f0c75cd0fb-300x201.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 320px) 100vw, 320px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figcaption>\n\t\t\tPeter Blenke, Vorstand\/CEO der Wackler Holding SE (rechts) mit Prof. Dr. Dr. Christian Berg, Experte f\u00fcr nachhaltiges Wirtschaften<br>\n\t\t<\/figcaption>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Lieber Herr Prof. Berg, erst einmal recht herzlichen Dank, dass Sie sich Zeit f\u00fcr mich und meine Fragen genommen haben. Die Zahl der an Corona infizierten Menschen steigt zunehmend, fast t\u00e4glich kommen neue Nachrichten \u00fcber versch\u00e4rfte Sicherheitsma\u00dfnahmen und Richtlinien seitens der Politik. Aus Sicherheitsgr\u00fcnden k\u00f6nnen wir uns deshalb auch heute leider nur \u00fcber unsere Bildschirme austauschen. Corona hat viel in der Welt ausgel\u00f6st. Bei uns in Deutschland hat die Pandemie uns st\u00e4rker denn je im Griff. Was zeigt uns die Krise \u00fcber unser Land?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In erster Linie hat uns Corona gezeigt, wie verletzlich unsere Systeme sind, dass unser Leben und eingespielte Routinen sehr fragil sind. Es verdeutlicht, wie sehr wir von Lieferketten und vom globalen Markt abh\u00e4ngig sind. Es zeigt Versorgungsengp\u00e4sse, den Pflegenotstand, unterbesetzte Gesundheits\u00e4mter und Defizite im Bereich der Digitalisierung. Hinzu kommt, dass sich unsere Gesellschaft zunehmend spaltet. Es wird auch immer schwieriger, die noch Ungeimpften zu motivieren und von einer Impfung zu \u00fcberzeugen. Bei allem m\u00fcssen wir bedenken, dass unsere Systeme nicht nur fragil sind, sie k\u00f6nnen auch kollabieren, was wir mit Blick auf die Situation in vielen Krankenh\u00e4usern leider auch bei uns in Deutschland bef\u00fcrchten m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Sie haben gerade die Spaltung unserer Gesellschaft angesprochen. Auf der einen Seite wird der Ton bei Impfgegnern, Querdenkern, Klimawandel-Leugnern zunehmend h\u00e4rter und sie schlie\u00dfen sich sogar radikalen bzw. extremen Gruppierungen an. Auf der anderen Meinungsseite herrscht stellenweise Intoleranz und Unmut. Wo bleibt die Solidarit\u00e4t?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sie haben Recht. Die Diskussionen um Impfplicht, Corona-Ma\u00dfnahmen usw. erhitzen sich, es gibt vermehrt Krawalle \u2013 sicherlich auch unterst\u00fctzt durch radikale Randgruppen. Aber nicht nur mit Blick auf die Pandemie, auch beim Thema Klimawandel findet zunehmend eine Polarisierung statt. Interessant ist zu sehen, dass sich bei Corona und beim Klima eine asymmetrische Solidarit\u00e4t zeigt. W\u00e4hrend bei Corona das Risiko f\u00fcr \u00fcber 80-J\u00e4hrige besonders hoch im Vergleich zu den unter 20-J\u00e4hrigen ist, ist es im Blick auf die Klimakrise gerade umgekehrt. F\u00fcr die \u00fcber 80-J\u00e4hrigen wird der Klimawandel kaum noch gesundheitliche Folgen haben \u2013 mit der Einschr\u00e4nkung, dass gerade die \u00e4lteren Menschen unter den zunehmenden Hitzeperioden leiden. Ganz anders bei den unter 20-J\u00e4hrigen. Denn die heutigen Neugeborenen werden im Jahr 2100 knapp 80 Jahre alt sein und haben gute Chancen, dieses magische Jahr, auf das viele Klima-Studien Bezug nehmen, noch zu erleben. Bez\u00fcglich der gesellschaftlichen Solidarit\u00e4t haben gerade zu Beginn der Pandemie, als es noch keinen Impfstoff gab, sehr viele junge Menschen erhebliche Einschr\u00e4nkungen akzeptiert aus Solidarit\u00e4t mit den Alten. Wie steht es dagegen mit unser aller Solidarit\u00e4t mit den Jungen? Erst langsam beginnt sich ein gesellschaftliches Umdenken abzuzeichnen. Dies wird sicher auch durch Fridays-for-Future, aber auch durch das Verfassungsgerichtsurteil zum Klimaschutzgesetz und andere Akteure unterst\u00fctzt. Wir m\u00fcssen jetzt handeln, wenn wir unseren Kindern und Enkeln noch zumutbare Lebensbedingungen sichern wollen.&nbsp; Solidarit\u00e4t ist deshalb unverzichtbar, sowohl bei der Pandemie als auch bei den Herausforderungen von Klimaschutz und Nachhaltigkeit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Corona und der Klimawandel \u2013 beide bedeuten immense Herausforderungen f\u00fcr Deutschland und weltweit. Wo sehen Sie Gemeinsamkeiten, wo die Unterschiede?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gemeinsam ist beiden der exponentielle Verlauf und die Tatsache, dass ein fr\u00fchzeitiges Handeln entscheidend ist. Bei beiden ist Solidarit\u00e4t und weltweites Handeln gefordert. Die Pandemie wird erst vorbei sein, wenn Sie global einged\u00e4mmt ist und das Gleiche gilt f\u00fcr das Klima. Und bei beiden m\u00fcssen wir erleben, dass Fakten offenbar nicht zur Einsicht bei den Menschen f\u00fchren. Wissenschaft wird diskreditiert, selbst sehr gut erh\u00e4rtete wissenschaftliche Ergebnisse werden mit Verweis auf die abstrusesten Erkl\u00e4rungen bestritten. Das ist sehr problematisch, denn es entzieht jedem rationalen Diskurs die Grundlage. Und das gilt f\u00fcr Corona gleicherma\u00dfen wie f\u00fcr das Klima. Der Unterschied zwischen Corona und dem Klimawandel liegt allerdings in den Zeitspannen. In beiden Bereichen sind die Entwicklungen exponentiell, aber bei der Pandemie liegen zwischen politischen Ma\u00dfnahmen und deren Erfolg Tage bis Wochen \u2013 beim Klima eher Jahrzehnte bis Jahrhunderte. Letzteres ist besonders schlimm, weil wir w\u00e4hrend dieser langen Zeit keine Wirksamkeit unseres Handelns sp\u00fcren. Wenn wir nicht merken, dass das, was wir tun, einen Effekt hat, dann sind wir sehr viel schlechter zu motivieren. Zu der langen Zeitskala kommt beim Klima zum anderen noch die hohe Komplexit\u00e4t des Themas hinzu. Und besonders wichtig: Gegen den Klimawandel gibt es keinen Impfstoff. Das einzige \u201eRezept\u201c, das wir haben, ist rechtzeitiges, beherztes Handeln!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die Komplexit\u00e4t des Klimawandels verstehen und entsprechend handeln ist die gr\u00f6\u00dfte Herausforderung unserer Zeit. Wie kann man Komplexit\u00e4t erkl\u00e4ren?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das kann ich am besten an einem Beispiel verdeutlichen. In den 1950er Jahren versuchte man auf Borneo die Malaria in den Griff zu bekommen, in dem man mit dem Giftstoff DDT die Stechm\u00fccke als Krankheits\u00fcbertr\u00e4ger bek\u00e4mpfte. Die Aktion war erfolgreich, die Stechm\u00fccken starben, aber mit ihnen auch viele andere Tiere \u2013 unter anderem Wespen, die sich von einer bestimmten Raupenart ern\u00e4hrten. Dadurch vermehrten sich diese Raupen, denn sie waren immun gegen das DDT. Die Raupen wiederum ern\u00e4hrten sich \u00fcberwiegend von Stroh, wie es in den D\u00e4chern der H\u00fctten und H\u00e4user der Menschen verwendet wurde \u2013 weshalb den Menschen buchst\u00e4blich die Decke auf den Kopf fiel.&nbsp; Dadurch, dass das DDT in die Nahrungskette gelangte, verendeten auch viele Katzen, was wiederum zur raschen Vermehrung von Ratten f\u00fchrte, die sehr robust gegen Umweltgifte waren. In der Konsequenz wurden lebende Katzen mit Fallschirmen \u00fcber Borneo abgeworfen, um der Rattenplage Herr zu werden. Sie sehen, wie eine gut gemeinte Aktion verheerende Folgen mit sich brachte, weil die Komplexit\u00e4t menschlicher Eingriffe in \u00d6kosysteme radikal untersch\u00e4tzt wurde. Und diese Gefahr besteht eben auch bei den komplexen Zusammenh\u00e4ngen wie einer Pandemie oder der Klimakrise. Nat\u00fcrlich wissen wir um die gesundheitlichen Gefahren von Corona \u2013 aber Politik muss eben immer abw\u00e4gen zwischen verschiedenen G\u00fctern, die miteinander im Wettstreit sind. Denn die Pandemie treibt viele Menschen in Existenzn\u00f6te \u2013 h\u00e4usliche Gewalt nimmt zu, psychische Probleme und Verhaltensst\u00f6rungen treten h\u00e4ufiger auf, die Verdrossenheit w\u00e4chst. Dazu kommen Liefer- und Produktionsengp\u00e4sse in der Wirtschaft, eine massive Ausweitung staatlicher Schulden usw. Und vor allem: Wir wissen nicht, was wir nicht wissen! Es k\u00f6nnte sein, dass wir mit Abstand einiger Jahre ein Hauptproblem der Pandemie identifizieren, dessen wir uns heute in seiner Dimension noch gar nicht bewusst sind. Das sollte uns zur Vorsicht und achtsamem Umgang mahnen. Dies gilt genauso f\u00fcr das Klima. Ma\u00dfnahmen m\u00fcssen daher sehr genau betrachtet und abgewogen werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Ihr Beispiel mit Borneo hat bildlich sehr gut verdeutlich, dass ein einzelner Eingriff unz\u00e4hlige Auswirkungen auf ein System zur Folge hat. Sichtbare wie leider auch unsichtbare. Aber wie geht man mit dieser Komplexit\u00e4t um, gerade wenn es um Corona und Nachhaltigkeit bzw. Klima geht?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zuerst brauchen wir eine langfristige, globale und ganzheitliche Analyse \u2013 bei Corona wie auch beim Klimawandel. In diese Analyse m\u00fcssen wirklich alle relevanten Faktoren eingeschlossen werden. Gleichzeitig ben\u00f6tigen wir das konkrete umsichtige Handeln vor Ort. Wir m\u00fcssen unsere Ma\u00dfnahmen stetig \u00fcberpr\u00fcfen.&nbsp; In meinem j\u00fcngsten Buch, \u201eIst Nachhaltigkeit utopisch?\u201c, widme ich mich deshalb im ersten Teil einer m\u00f6glichst umfassenden systemischen Analyse hinsichtlich der Frage, warum wir nicht nachhaltiger sind. Dies wird dann im zweiten Teil mit konkreten Prinzipien f\u00fcr nachhaltiges Handeln erg\u00e4nzt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Der ehemaligen Bundesregierung wird ein Versagen im Kampf gegen den Klimawandel vorgeworfen. Zuviel Zeit sei verloren gegangen, zu viel R\u00fccksichtnahme gegen\u00fcber der Wirtschaft genommen worden. Gerade in Zeiten der Klimakrise und der Notwendigkeit nachhaltigen Handelns \u2013 wie wird Ihrer Meinung nach mit der neuen Ampel-Regierung die Allianz von Wirtschaft und Politik aussehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Rolle von Unternehmen hat sich in den letzten Jahrzehnten stark ver\u00e4ndert \u2013 auch hinsichtlich des Themas Nachhaltigkeit. Der Wert von Unternehmen bemisst sich heute sehr stark in Dingen, die kaum oder schlecht zu quantifizieren sind \u2013 an \u201eintangibles\u201c. Fr\u00fcher konnte man den Wert relativ gut absch\u00e4tzen mit einem Blick in die Unternehmensb\u00fccher. Physische und finanzielle Werte gaben den Ausschlag. Heute sind viele Verm\u00f6gensgegenst\u00e4nde immaterieller Art, wie zum Beispiel Patent- und Markenrechte, der Markenwert, aber auch die Erwartungen bez\u00fcglich k\u00fcnftiger Marktentwicklung. Und bei Letzteren w\u00e4chst die Forderung nach nachhaltigem Unternehmenshandeln. Nachhaltigkeits-Management von Unternehmen hat sich zu einem neuen Qualit\u00e4ts-Management entwickelt. Was auch die wachsende Zahl der ver\u00f6ffentlichten Nachhaltigkeitsberichte von Unternehmen in den letzten Jahren verdeutlicht. Was ich damit sagen will: Die Einsicht, dass Unternehmen zur nachhaltigen Entwicklung beitragen m\u00fcssen, hat stark zugenommen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>\u2026 meint konkret?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Oktober dieses Jahres ver\u00f6ffentlichte beispielsweise der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) eine von ihm an Boston Consulting (BC) in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie \u201eKlimapfade 2.0\u201c \u2013 wie sich auf nationaler Ebene in den vier Sektoren Industrie, Verkehr, Geb\u00e4ude und Energiewirtschaft die Klimaziele erreichen lassen. Die Studie kam zu dem Schluss, dass wir bis 2030 rund 860 Milliarden Euro kumulierte Mehrinvestitionen f\u00fcr den Klimaschutz brauchen werden. Vergleicht man die darin vorgeschlagenen Ma\u00dfnahmen mit den bisher bekannten Pl\u00e4nen der neuen Ampel-Regierung, so kann man viele Gemeinsamkeiten erkennen. So empfiehlt die Studie rund 14 Millionen vollelektrische PKW bis 2030, die neue Regierung plant mit 15 Millionen. Bei der Windenergie auf See will die Ampel auf mindestens 30 Gigawatt 2030 steigen, von Seiten BDI und BC sind 28 Gigawatt gefordert. Und auch bei dem Ausbau der Verkehrsinfrastruktur mit Schwerpunkt Schienenverkehr waren die Forderung bei der Ampel und dem BDI weitgehend identisch. Wir stecken in einer Transformation. Es gibt also eine deutliche Ann\u00e4herung bei Wirtschaft und Politik und auch das Erkennen der Notwendigkeit gemeinsamen Handels. Es ist entscheidend, dass Wirtschaft und Politik rechtzeitig reagieren und Aufgaben systemisch angehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Prof. Klaus Hasselmann, neu gek\u00fcrter Nobelpreistr\u00e4ger f\u00fcr Physik, meinte vor Kurzem, wir h\u00e4tten im Blick auf neue Technologien gen\u00fcgend Zeit auf Klimaver\u00e4nderungen zu reagieren, sehen Sie das auch so?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hmmm. Ich halte zwar einen aufgeregten Alarmismus f\u00fcr kontraproduktiv \u2013 das w\u00fcrde ich Herrn Hasselmann zugestehen. Allerdings habe ich die Sorge, dass eine solche Aussage einige Menschen dazu bringen k\u00f6nnte, ihr Nichtstun zu rechtfertigen. Und damit h\u00e4tte ich gro\u00dfe Probleme. Denn selbst wenn wir \u00fcberhaupt kein Klimaproblem h\u00e4tten, g\u00e4be es noch gen\u00fcgend andere Gr\u00fcnde, uns um den Zustand unseres Planeten richtig Sorgen zu machen. Vor allem die Biodiversit\u00e4t ist hier zu nennen. Nat\u00fcrlich sind Menschen sehr duldsam, anpassungsf\u00e4hig und erfindungsreich und sicher wird es viele neue Innovationen geben, die uns bei der Bew\u00e4ltigung der Klimakrise helfen werden. Aber ich w\u00fcrde aus den genannten Gr\u00fcnden mit einer solchen Kommunikation wie der von Ihnen zitierten doch vorsichtig sein. Man muss halt immer auch ber\u00fccksichtigen, wer eine solche Aussage f\u00fcr sich verwenden und sie vielleicht zur Rechtfertigung nutzen w\u00fcrde, den Status Quo zu verteidigen. Und das w\u00e4re verheerend.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die Zeit rennt. Die Umstellung auf alternative\/erneuerbare Energiequellen in Deutschland wird eine zeitliche und wirtschaftliche Herausforderung werden. Wind und Sonne sollen die L\u00fccke f\u00fcllen, wenn Atom- und Kohlekraftwerke geschlossen werden. W\u00e4re ein zur\u00fcck zu Atomstrom denkbar?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es ist insofern schwierig dies zu beantworten, als wir den (gro\u00dfen) gesellschaftlichen Diskurs \u00fcber das Thema Kernenergie vor 10 Jahren beendet haben. Ich hielte es f\u00fcr schwierig, nach so langer Zeit das Fass f\u00fcr Deutschland wieder aufzumachen, zumal heute erneuerbare Energien viel wettbewerbsf\u00e4higer und auch g\u00fcnstiger sind als Atomstrom, jedenfalls wenn man sie neu baut und die externen Kosten bedenkt. Es mag sein, dass man aus heutiger Sicht vielleicht die Laufzeit der Kernreaktoren um 5 Jahre h\u00e4tte verl\u00e4ngern sollen, damit der Kohleausstieg schneller m\u00f6glich gewesen w\u00e4re. Aber das ist Schnee von gestern. Atomkraftwerke sind f\u00fcr Deutschland kein Thema mehr und auch Frankreich wird mittelfristig davon Abschied nehmen. Die gr\u00f6\u00dfte Herausforderung wird sein, den aktuellen Anteil fossiler Energietr\u00e4ger von 73 Prozent am Prim\u00e4renergieverbrauch bis 2045 auf Null runterzufahren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die UN-Klimakonferenz in Glasgow liegt hinter uns. Ich denke, es bleiben gemischte Gef\u00fchle, bedenkt man letztlich die Ergebnisse. Hinterl\u00e4sst der Klimagipfel das Prinzip Hoffnung? Welche Ergebnisse k\u00f6nnten denn optimistisch stimmen?&nbsp; <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir wollen gem\u00e4\u00df dem Pariser Klimaabkommen die Erderw\u00e4rmung auf 1,5 Grad begrenzen. Bei den bisher gesteckten Zielen und Vereinbarungen der L\u00e4nder kann man unterschiedliche Zukunftsszenarien mit Blick auf die Zielerreichung betrachten. Wenn man lediglich die aktuell implementierten und vorgeschriebenen Gesetzestexte einhalten w\u00fcrde, dann k\u00e4men wir im Ergebnis auf rund 2,7 Grad. Wenn man die Ziele f\u00fcr 2030 strikt einhalten w\u00fcrde, k\u00e4me man auf 2,4 Grad, und wenn man dann hierzu noch hypothetisch die Einhaltung der versprochenen Ziele z.B. von China und USA annimmt, dann k\u00f6nnte die Erderw\u00e4rmung auf 2,1 Grad begrenzt werden. Aber selbst, wenn alle Vereinbarungen eingehalten und alle L\u00e4nder ihre versprochenen Ziele erreichen w\u00fcrden, dann w\u00e4re mit dem Ergebnis 1,8 Grad das gro\u00dfe Ziel 1,5 Grad noch nicht erreicht. Im Grunde kann ich mich hier dem Urteil vieler Umweltverb\u00e4nde und eben auch des BDI anschlie\u00dfen: Der gro\u00dfe Wurf ist in Glasgow nicht gelungen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Mit Blick auf China, Russland oder Indien wird Europa wohl Vorreiter im Hinblick auf die Erreichung der vereinbarten Klimaziele. Was bei manchen auf wenig Verst\u00e4ndnis st\u00f6\u00dft. Wie kann ich die Menschen mitnehmen, die ja die Folgen der Klimama\u00dfnahmen tragen \u2013 sprich starke Einschr\u00e4nkungen hinnehmen m\u00fcssen? <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Einschr\u00e4nkungen sind per se nichts Schlechtes. Mit Einschr\u00e4nkungen leben wir ja generell und sie sind \u00fcberlebenswichtig. Wenn ich irgendein Ziel erreichen will, aber meinen unmittelbaren Impulsen und Bed\u00fcrfnissen immer sofort nachgebe, werde ich scheitern. Wer sich Ziele setzt, muss auch die Mittel daf\u00fcr richtig w\u00e4hlen \u2013 und die verlangen eben oft auch, sich einzuschr\u00e4nken.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"320\" height=\"305\" src=\"https:\/\/www.wackler-group.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/csm_Ziele_Klimawandel_118e4fb595.png\" alt=\"Erdkugel mit Zielscheibe und Coronavirus\" class=\"wp-image-2132\" srcset=\"https:\/\/www.wackler-group.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/csm_Ziele_Klimawandel_118e4fb595.png 320w, https:\/\/www.wackler-group.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/csm_Ziele_Klimawandel_118e4fb595-300x286.png 300w\" sizes=\"(max-width: 320px) 100vw, 320px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Lieber Herr Prof. Berg, ich w\u00fcrde gerne noch sehr viel l\u00e4nger \u00fcber so viele noch offene Fragen mit Ihnen sprechen, aber f\u00fcrs Erste bedanke ich mich an dieser Stelle sehr herzlich f\u00fcr das Gespr\u00e4ch. Ich bin gespannt, was die neue Regierung auf den Weg bringen wird. Ich w\u00fcrde mich freuen, wenn wir uns anl\u00e4sslich einer Zwischenbilanz gerade hinsichtlich der Ergebnisse der neuen Klimapolitik wieder austauschen werden.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eGegen den Klimawandel gibt es keinen Impfstoff\u201c Peter Blenke, Vorstand\/CEO der Wackler Holding SE im Gespr\u00e4ch mit Prof. Dr. Dr. Christian Berg, unter anderem Honorarprofessor f\u00fcr Nachhaltigkeit und Globaler Wandel an der TU Clausthal, Pr\u00e4sidiumsmitglied der Deutschen Gesellschaft Club of Rome und seit rund einem Jahr Beirat der ConClimate GmbH, einer Tochtergesellschaft der Wackler Holding [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"featured_media":1530,"template":"","meta":{"_acf_changed":true},"news-category":[38],"class_list":["post-1324","news","type-news","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","news-category-news"],"acf":[],"ase":null,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.wackler-group.de\/holding\/wp-json\/wp\/v2\/news\/1324","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.wackler-group.de\/holding\/wp-json\/wp\/v2\/news"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.wackler-group.de\/holding\/wp-json\/wp\/v2\/types\/news"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.wackler-group.de\/holding\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1324"}],"wp:term":[{"taxonomy":"news-category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.wackler-group.de\/holding\/wp-json\/wp\/v2\/news-category?post=1324"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}