Interview
Peter Blenke, Vorstand des Münchner Facility-Management-Unternehmens Wackler hat ein Buch über die Geschichte von Dienstleistungen rund um das Gebäude geschrieben. In diesem Interview spricht er über seine Gründe und berichtet von seinen Erkenntnissen:
Peter Blenke, Thomas Wieke:
Tempel, Burgen, Glaspaläste
Geschichte und Geschichten rund um das Gebäude
Festeinband, 96 Seiten,
88 farbige Abbildungen,
14,90 Euro
JUNGs-Verlag, Limburg
ISBN: 978-3-938925-40-9
F: Herr Blenke, Sie haben ein Buch über die Geschichte des Gebäudemanagements geschrieben – warum?
Blenke: Ich wollte einmal wissen, wie diese Aufgaben früher gelöst wurden – oder auch nicht. Wir setzen uns im Alltag ja immer nur aktuell mit den unterschiedlichen Facetten des Gebäudemanagements auseinander. Wackler hat in dieser Branche ja eine lange Tradition, und es schadet gewiss nicht, hin und wieder auch mal zurück zu schauen und zu fragen, wo man eigentlich herkommt. Es hilft zudem auch, die Gegenwart besser zu verstehen. Wir sind im Buch der Frage nachgegangen, wo die Quellen der vielen verschiedenen Dienstleistungen liegen, die im Laufe der Zeit in das heutigen Facility Management eingeflossen sind. Und dabei entdecken wir, dass bestimmte Ursprünge bis weit ins Altertum zurückreichen.
F: Die Ägypter und Griechen hatten schon Facility Mangement?
Blenke: Sicherlich nicht im heutigen Sinne, wo von der Planung über den Betrieb bis hin zur Entsorgung von Gebäuden alles umfasst ist. Und auch einen eigenen Begriff gab es dafür natürlich noch nicht, der tauchte ja auch in Deutschland überhaupt erst vor 25 Jahren auf. Dass Liegenschaften, Gebäude und betriebliche Abläufe ganzheitlich betrachtet und Sekundärprozesse optimal organisiert werden, kennen wir mit den entsprechenden Richtlinien seit etwa 15 Jahren. Aber man staunt doch immer wieder, welche Gedanken sich vor Jahrtausenden schon die Babylonier machten, wie auf Kreta der Palast bewirtschaftet wurde oder wie die Römer ein umfassendes öffentliches Versorgungsnetz aufbauten.
F: Ist dann im Mittelalter vielleicht wieder Wissen verloren gegangen?
Blenke: Zum Teil sicher, man hätte sich einiges abschauen und manches bewahren können. Auf der anderen Seite bringen veränderte Zeitumstände auch veränderte Bedürfnisse mit sich. Denken Sie etwa an die Höhenburgen des Mittelalters. Man nahm dort eine ganze Menge Unbequemlichkeit, zugige Kälte und Versorgungsschwierigkeiten in Kauf, um im Gegenzug den Sicherheitsaspekt zu maximieren.
F: Und welche Ansprüche stellen die Menschen heute an das Facility Management?
Blenke: In unserer hochentwickelten Welt muss im Alltag immer alles funktionieren. Dadurch wird die Qualität von Dienstleistungen der entscheidende Faktor und ein gemeinsames Verständnis von Qualität bei Auftraggebern und Auftragnehmern ist damit zwingend erforderlich. Das gilt sowohl für die technischen als auch für die kaufmännischen Aspekte und natürlich für alle infrastrukturellen Aufgaben wie etwa die Reinigung oder die Sicherheit, damit der Preis nicht zum ausschließlichen Vergabekriterium wird. Dazu kommt der immer wichtiger werdende Aspekt der Nachhaltigkeit insgesamt sowie des Umweltschutzes im Besonderen.
F: In Ihrem Buch nehmen Sie auch immer wieder die Perspektive all der dienstbaren Geister ein, die hinter den Kulissen wirken. Werden diese unterschätzt?
Blenke: In der Geschichtsschreibung und in der Würdigung großartiger Epochen auf jeden Fall. Aber das ist normal, das Facility Mangement ist ja gerade darauf angelegt, dass alles geräusch- und reibungslos läuft und man sich als Unternehmen nicht damit beschäftigen muss, sondern auf sein Kerngeschäft konzentrieren kann.
F: Wer ist denn Ihr persönlicher Lieblingsspezialist in der Geschichte des Gebäudemanagements?
Blenke: Ich schwanke immer zwischen dem besonderen Charme der Concierge aus Paris und des Wiener Hausbesorgers auf der einen Seite und dem erfahrenen Klosterbruder an der Pforte andererseits. Gemeinsam haben Sie, dass sie an einer einzelnen Schlüsselstelle des Gebäudes Entscheidungen treffen, dabei aber immer den ganzen Betrieb im Blick haben müssen.
F: Werden Sie Ihre Mitarbeiter „verpflichten“, dieses Buch zu lesen?
Blenke: Auf keinen Fall, ich will doch niemandem vorschreiben, was er zu lesen hat. Das Buch ist ja auch als Dank und Würdigung für unsere Mitarbeiter und die gesamte Branche gedacht. Die es lesen, sollen Freude daran haben.